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by
Th. Spielkamp 1997
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Ihren Ursprung
hat die Venture Royale im Jahr 1983 in Form der XVZ 1200 ( in Europa
mehrheitlich Typbezchng. 47 G ). Seinerzeit war seitens Yamaha nicht
daran gedacht, diesen luxuriösen, kardangetriebenen Reisedampfer
überhaupt für den europäischen Markt anzubieten. Konzipiert wurde er
für die USA, und Europa „hing“ sich lediglich dran. Lt. Aussage von
Yamaha, wurden insgesamt ca. 6.000, ohne die Zahl der Grauimporte,
1200/1300er innerhalb Europas verkauft. Von dieser Zahl entfällt ca.
die Hälfte auf Frankreich. Eine große Verbreitung fand dieses Modell
auch in der Schweiz und in Holland. Der Rest teilt sich u.a. auf
Deutschland, Schweden, Norwegen auf. Gebaut wurden alle Venture Royale
in Japan. |
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Zwischen ‘83
und ‘86 gab es keine nennenswerten Modellpflegemaßnahmen, außer
diverser Farbgebungen. Schon mit dem 1200er Modell gab es zwischen
Europa und den USA Ausstattungsdifferenzen. Eine US Vollausstattung
umfaßte u.a.: Radio/Kassettendeck, Gegensprechanlage, CB-Funk, Topcase,
Kompressorbetriebene Luftunterstützung der vorderen und hinteren
Federungselemente. Außerhalb der USA verkaufte Yamaha
ausstattungsbereinigte Modelle, wie z.B. in der Schweiz ohne CB-Funk
und Tempomat, bis hin nach Deutschland - nur mit Kompressor . |
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Von 1986 an
wurde die XVZ 1300 ( in Europa mehrheitlich Typbezeichng. 3 JS )
Venture Royale angeboten. Das äußere Erscheinungsbild wandelte sich
im Heckbereich ziemlich. Konnte man noch bei der 1200er die
Seitenkoffer vollständig abnehmen, was zweifelsohne auf Reisen eine
nützliche Angelegenheit ist, hatte die 1300er festmontierte
Seitenkoffer und ein in sich total geschlossenes Heck.
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Mit Einführung
der 1300er gab es desgleichen innerhalb der Ausstattung einen Tempomat.
Wer Reiseetappen von 600 km und mehr auf Autobahnen nur zu Tankstopps
unterbricht, weiß den Vorzug eines Tempomaten zu schätzen. Das rechte
Handgelenk dankt für ein paar ruhige, entspannende Minuten. Der
einstellbare Geschwindigkeitsbereich befindet sich zwischen minimal
ca. 50 km/h und maximal ca. 130 km/h. |
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Motorseitig
beinhaltete die Modellpflege u.a. 100 Kubik mehr Hubraum, eine
geänderte Vergaseranlage, elektrisches Anti Dive System (
Bremsnickausgleich ) anstelle von mechanischem. Verstärkte
Gangzahnräder im Getriebe wurden auch verwendet, da es bei der 1200er
insbesondere zu Problemen mit dem 2. Gang ( herausspringen ) kam, was
schon ab Laufleistungen von ca. 60.000 km auftreten kann. Bei solchen
Getriebeschäden können die 1300er Gangzahnräder als Ersatz für defekte
1200er eingebaut werden und das Problem ist beseitigt. Des weiteren
wurde der 1300er eine weitaus effizientere Bremsanlage spendiert. Hat
man bei der 1200er noch das Gefühl einen Bremsanker werfen zu müssen,
steht die 1300er weitaus schneller. Gute Erfahrungen haben wir
bezüglich der Bremsbeläge für die 1200er mit Dunlopad und für die
1300er mit Lucas Gierling gemacht. Unserer Erfahrung nach kann es mit
Originalbelägen bei den 1300er Modellen eher zu Bremscheibenunwuchten
kommen. Die Verwendung von Stahlflexbremsleitungen ergibt bei beiden
Modellen eine bessere Dosierbarkeit des Integralbremssystemes. |
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Fahrwerkseitig
( Stahlrohrrahmen ) reagiert die Venture Royale sehr stark auf nicht
korrekt eingehaltene Einstellungen wie z.B.: falscher Luftdruck und zu
stark abgelaufenes Profil der Reifen, nicht korrekt eingestelltes
Steuerkopflager, nicht korrekt eingestellte Schwinge, falscher Druck
in der Luftunterstützung der Federungselemente. Die Summierung der
mangelhaften Einstellungen ergeben starke Fahrwerksunruhen.
Insbesondere im Geschwindigkeitsbereich von ca. 150/160 km/h, wenn
das Motorrad nur mit dem Fahrer besetzt ist. |
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Der Venture
Royale ein total ruhiges Fahrwerk zu verschaffen ist wohl nicht
möglich. Jedoch kann man durch verschiedenste Umbaumaßnahmen „peu à
peu“ eine zufriedenstellende Ruhe bekommen. Da wäre als Beispiel der
Einbau progressiv gewickelter Gabelfedern mit speziellem Gabelöl,
Präzisionssteuerkopfläger, Präzisionsläger für Schwinge und
Umlenkhebel oder auch Umbereifung auf einen anderen Hersteller. |
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Die Bereifung (
120/90-18 vorne und 140/90-16 hinten ) ist eh eine Geschichte für
sich. Grauimportierte Venture Royale haben in aller Regel drei bis
vier verschiedene Reifenfreigaben bezüglich der Hersteller. Deutsche
Modelle wurden nur mit eingetragenen Pirelli ausgeliefert. Nachdem
Pirelli die Produktion der Venture Royale Bereifung einstellte, gab es
von Yamaha Dtschlnd. lediglich eine Freigabe für Metzeler ( Marathon
ML 2 ). Weder der originale Pirelli, noch der angebotene Metzeler sind
unbedingt die erste Wahl für dieses Motorrad. Gute Erfahrungen haben
wir z.B. mit Avon (HL 29/HL 30) gemacht, oder auch mit Bridgestone (L
303/G 508). Letztendlich ist die Bereifung eine Frage des jeweiligen
Fahrers. Der eine mag eher die Kurvenwilligkeit von Bridgestone, der
andere zieht die guten Allroundeigenschaften und die hohe Laufleistung
eines Avon vor. Das Nässefahrverhalten der damaligen original Pirelli
Bereifung spottet jedoch jeder Beschreibung, und stellt ein unseres
Erachtens nach hohes Risiko dar. In den seltensten Fällen kam es zu
Problemen bei TÜV, anhand vorliegender Herstellerbescheinigungen,
andere Marken in den Originalgrößen eintragen zu lassen. |
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Motorseitig
bereitet die Venture Royale keine größeren Probleme. Wer glaubt, 340
kg Leergewicht in den unteren Gängen zu sehr treiben zu müssen, hat
logischerweise früher oder später Probleme mit dem Kardan. Ansonsten
sind Laufleistungen von 120.000 bis 200.000 km keine Seltenheit. Per
Prinzip ist die Maschine, flüssigkeitsgekühlter 4-Zylinder 4-Takt
V-Motor, identisch mit den aktuellen Motoren der V-max sowie der neuen
Royal Star von Yamaha. Das alte Sprichwort „Hubraum ist durch nichts
zu ersetzen“ findet auch hier seine Anwendung. Kraft aus dem Keller,
gepaart mit gut im Futter stehenden 72 KW tragen dazu bei, gute
Reisedurchschnitte zu erzielen. Durch den Einbau eines K&N Luftfilters
spart man Folgekosten, und erzielt eine bessere „Beatmung“ mit
runderem Motorlauf. Erwähnenswert ist noch folgender Umstand: Da die
Kurbelgehäuseentlüftung in den Luftfilterkasten mündet, kommt es zu
leichten Ölablagerungen im Bodenbereich des selbigen. Dieses Öl
sollte von Zeit zu Zeit mit einem Tuch aufgewischt werden, da es sich
ansonsten in Tropfenform am Rand der Ansaugtrichter zwischen
Luftfilterkasten und Vergaser vorbeidrückt, und seinen Weg nach
unten findet. |
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Der Verbrauch
liegt bei ca. 7,5/8l bei kommoder Fahrweise, kann jedoch bei
„forscher“ Gangart auch bei 10l liegen. Größtes Manko dieser
Reisemaschine ist der mit 20l Inhalt viel zu klein geratene Tank.
Trotz, oder vielleicht gerade wegen der seltenen Verbreitung dieses
Motorrades, gibt es innerhalb Europas verschiedene Clubs, welche dem
Hobby XVZ 1200 bzw. XVZ 1300 nachgehen und untereinander rege
Verbindung halten. Sei es der „Venture Royale Club Schweiz“, der
„Yamaha Venture Club Nederland“, der „Venture Club Norway“, der
„Venture Club of Sweden“, der „Venture Club de France“ in den USA die
„Venture Touring Society“ Las Vegas und nicht zuletzt unser „Venture
Royale Club Deutschland“, um einige beim Namen zu nennen. |
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Außerhalb der
jeweiligen clubinternen Treffen und Ausfahrten, finden verschiedene
internationale Treffen statt, auf welchen sich problemlos 180 bis 200
unserer „Dickschiffe“ zusammenfinden. Im Jahr 1997 veranstaltete z.B.
der Venture Royale Club Schweiz sein Venture Meeting am 07. und 08.
Juni in der Nähe von Montreux. Der Venture Club France ein Treffen am
12. bis 14. Juli ‘97 in der Auvergne, bei Clermont Ferrand. Generell
ist zu sagen, daß die Verständigung unter den verschiedenen
Venture Clubs innerhalb Europas sehr gut ist. Man profitiert
untereinander von den verschiedensten Erfahrungen. Sei es im
Beschaffen von Ersatz- oder Zubehörteilen, technischen Umbaumaßnahmen
etc.. |
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Zu den
Zubehörteilen ist zu sagen, daß hier in Deutschland so gut wie keine
Teile angeboten werden. In den USA wurde spezielles Zubehör für die
Venture Royale ( Venture Line ) hergestellt. Einem „Aufmotzen“ je nach
Geschmack mit diversen Chromteilen steht nichts im Wege. Trotz
mittlerweile eingestellter Fertigung dieser Teile, ist ein großer Teil
bei speziellen Händlern immer noch vorrätig. |
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Im Jahr 1991
wurde die Produktion der Venture Royale eingestellt. Letzte
grauimportierte 1300er Neumaschinen in US Vollausstattung wurden 1994
in Deutschland zum Preis von ca. 24.000,- DM verkauft. Trotz mit
Abstand allergrößter Lobby durch die „Venture Touring Society“ in den
USA, denkt Yamaha zum momentanen Zeitpunkt nicht daran, Ersatz zu
schaffen. Man folgt lieber dem momentanen Trend zu großen,
hubraumstarken Straßenchoppern á la Royal Star und sieht keinen Markt
für ein „Dickschiff“ wie die Venture Royale. Für die eingeschworene
Fangemeinde bliebe als Alternative lediglich die „Gold Wing“ von
Honda, oder die noch vorhandenen Verkaufsposten von Kawasakis
„Voyager“. So oder so, kein ebenbürtiger Ersatz für die Mehrheit der
eingefleischten XVZ Fahrer. Guten Pflege- und Technikzustand
vorausgesetzt, finden ältere 1200er Modelle immer noch Käufer zu
Preisen oberhalb der 10.000,- Mark. Für 1300er in Vollausstattung
geht’s wohl schwerlich unter 13.000,- DM. Nach oben kann man keine
Grenze taxieren, da es je nach Zubehör ( ähnlich Gold Wing ) eh ein
Liebhaberpreis ist. |
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Trotz Macken im
Fahrwerk, ist und bleibt die Venture Royale für ihre Eigner ein
liebgewonnenes Relikt aus vergangenen Zeiten, welches gehegt und
gepflegt wird. |
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